Konsortium um den T-Mobile Venture Fund kauft Wireless Modules Geschäft von Siemens
Aus der heutigen Pressemitteilung von T-Venture zum Kauf von Siemens Wireless Modules:
Bonn, 4. März 2008 Der T-Mobile Venture Fund und der Private Equity Investor Granville Baird gaben heute den geplanten Kauf des Wireless Modules Geschäftes der Siemens AG im Rahmen eines Leveraged Buy-outs bekannt. Der T-Mobile Venture Fund wird sich an der künftigen Gesellschaft mit einem Minderheitsanteil beteiligen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Verkaufsabschluss soll vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden. Das komplette Management und alle der über 400 Mitarbeiter sollen übernommen werden. „Siemens Wireless Modules ist globaler Marktführer im Machine-to-Machine-Markt, einem Markt mit guter Wachstumsperspektive. In Zusammenarbeit mit T-Mobile erwarten wir, dieses Wachstum verstärkt nutzen und unsere führende Stellung im Markt ausbauen zu können“, so Norbert Muhrer, Leiter des Siemens Business Segments Wireless Modules.
Siemens Wireless Modules entwickelt und vertreibt Mobilfunk-Module für den Markt der Machine-to-Machine Kommunikation, die in vielfältigen Industrie-Segmenten zum Einsatz kommen. Automatische Zählerauslesung, Objektüberwachung, Transport Logistik Systeme, Zahlungssysteme, Fernwartung und Automobil-Kommunikation sind nur einige Beispiele dieses jungen und dynamischen Marktes.
Lesenswert ist dann die Motivation, die T-Mobile für den Erwerb der Anteile nennt:
Siemens Wireless Modules und T-Mobile planen eine strategische Partnerschaft, um neben dem bestehenden Geschäft mit Modulen den Kunden von Siemens Wireless Modules zukünftig eine „One-Stop-Shopping-Lösung“ inklusive integrierter Datenübertragung und Schnittstellen zu bestehenden Applikationen anbieten zu können. Philipp Humm, Geschäftsführer T-Mobile Deutschland äußert sich zuversichtlich: „Wir setzen große Erwartungen in die Zusammenarbeit mit Siemens Wireless Modules. Gemeinsam schaffen wir im M2M-Markt einen Player, der seinen Kunden Lösungen aus einer Hand mit globaler Reichweite anbieten kann. T-Mobile wird hierbei eine aktive Rolle spielen und mit seiner Expertise in der Datenübertragung über seine hochqualitativen Netze zum Erfolg und zur Kundenzufriedenheit beitragen.“
Das Geschäft mit “Wireless Modules” für GSM und UMTS ist heute durch ein Oligopol bestehennd aus Siemens, Wavecom, Motorola und vielleicht noch Enfora und Telit geprägt. Kleinere Hersteller (z.B. Teltonika) spielen nur Nebenrollen. Die Module sind das Kernstück praktisch aller integrierten M2M-Anwendungen (z.B. auch bei TollCollect) und auch aller industriellen Router und Modems. Lediglich Mobiles für den Massenmarkt basieren nicht auf Modulen.
Interessant ist nun die Situation, dass einer dieser Hersteller seine Unabhängigkeit verliert und direkt an einen Netzbetreiber gebunden wird. Dieser geplante Kauf zeigt, dass zumindest ein Netzbetreiber das Thema M2M ernst nimmt.
Beängstigend könnte es werden, wenn man sich mit den möglichen Folgen beschäftigt:
Der Hardware Markt für M2M Endgeräte ist heute mittelständisch geprägt, praktisch alle erhältlichen Router, Modems, Tracking-Lösungen, Spezialhardware z.B. zur Zähler-Fernauslesung stammen von mittleren und kleinen Unternehmen. Die großen Player waren zu unflexibel, um sich in diesem Mark behaupten zu können und gaben das Geschäftsfeld auf. Jetzt kommen Sie wieder zurück:
- Ein Netzbetreiber, der auch direkt M2M Hardware herstellt und anbietet, kann diese Hardware subventionieren, genau wie er dieses Geschäft mit privaten Endkunden praktiziert. Mittelständische Anbieter werden dann nicht mit von der Partie sein.
- Ein Netzbetreiber als Modul-Hersteller kannn seine Module von Haus aus mit seinen SIM-Karten zum Einlöten ausrüsten und so an sein Netz binden. Hardware-Hersteller, die dann seine Module verwenden, werden so zu einem Zulieferer für nur einen Netzbetreiber degradiert. (Module haben heute keine standardisierten Schnittstellen und sind daher nicht austauschbar)
Hoffen wir, dass dies nur schwarze Gedanken sind, die sich nicht bewahrheiten.
Aber andererseits könnnen wir gerade heute bemerken, dass Netzbetreiber sehr allergisch und konsequent reagieren könnnen, wenn Hardware-Hersteller versuchen in ihrem Teich zu fischen: T-Mobile nahm jüngst viele Nokia Modelle aus dem Sortiment, weil Nokia eine eigene Multimedia-Platttform aufbaut (siehe Artikel bei Heise.de).
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