Dual-SIM: Sinn- oder Unsinn für M2M-Anwendungen?
Beim CeBIT Rundgang bin ich wieder über das Schlagwort “Dual-SIM” gefallen, z.B. bei einigen Routern von netModule oder speziell für den Bankenbereich bei VComms. Die Frage ist, welchen Sinn und Nutzen Dual-SIM denn nun hat.
Ziel von Dual-SIM
Auch Mobilfunknetze haben eine begrenzte Verfügbarkeit, Netzbetreiber garantieren zumeist für Anwender keinerlei Verfügbarkeit oder nur eine sehr geringe von z.B. 97% p.a. – dies entspricht einem möglichem Ausfall von mehr als 250 Stunden im Jahr! Zur Ehrenrettung der Netzbetreiber muss aber festgestellt werden, dass die tatsächliche Ausfallzeit der deutschen Netze wesentlich geringer ist. Durch Dual-SIM soll ein GPRS/EDGE/UMTS-Router redundant zwei Mobilfunknetze nutzen können, um Ausfallzeiten zu überbrücken und so fast 100% Verfügbarkeit liefern. Basis für diese Strategie ist die Annahme, dass Mobilfunknetze unabhängig voneinander arbeiten und daher i.d.R. nicht gleichzeitig ausfallen.
Genau hinschauen!
In den Produktbeschreibungen steht zumeist nur “Dual-SIM” oder “zwei SIM Halter”. Nachzufragen ist, ob die beiden Mobilnetze alternativ (bei einem Ausfall) oder parallel betrieben werden können. Nach welcher Strategie erfolgt der Fall-Back auf das alternative Netz? Und wie der Schwenk zurück? Ein Router mit “Dual-SIM” alleine schafft noch keine Redundanz. Die Zentralenseite (Leitstelle) muss zu Beginn der Projektierung mit einbezogen werden, da ein Fallback auf ein Ersatznetz i.d.R. nicht transparent abläuft.
Vorsicht vor gefühlter Redundanz
Eine Verbesserung der Verfügbarkeit durch die Verwendung von zwei Mobilfunknetzen kann nur funktionieren, wenn die verwendeten Netze unabhängig arbeiten. Das ist zwar häufig, aber bei weitem nicht immer der Fall. Zwar ist generell durch die Lizenzbedingungen für die GSM- und UMTS-Netze eine gewisse Unabhängigkeit gewährleistet, aber wer sicher gehen will, muss an jedem Installationsort eines Routers prüfen, ob dort Standorte oder Netzelemente durch die verwendeten Netze gemeinsam genutzt werden. Da hilft nur eine guter Draht zum Netzbetreiber oder ein kompetenter Berater weiter.
Einfach erkennbar ist die Lücke nur beim “national Roaming” von O2 im T-Mobile Netz für ländliche Gebiete: Wer dort als O2-Kunde vom Netz EDGE angeboten bekommt, befindet sich im Netz von T-Mobile.[Update: Das war einmal]
Always Online! Oder die Tücken der Blockrundung
Mit jedem GPRS/EDGE/UMTS-Verbindungsaufbau wird im Datentarif ein neuer Block begonnen – unabhängig von der tatsächlich übertragenen Datenmenge. Teuer kann es werden, wenn der Router häufig versucht auf das bevorzugte Netz zurückzufallen. Dann entstehen durch das ständige Re-Connect immer wieder neue Blöcke und entsprechende Kosten!
Fazit: Beratung ist unerlässlich
Dual-Sim kann eine Erhöhung der Verfügbarkeit bringen, sofern man von Beginn an sorgfältig projektiert und sowohl die verwendeten Endgeräte, die verwendeten Mobilfunknetze und auch das Leitstellensystem geschickt auswählt. Mit zwei SIM-Karten im Gerät allein erhält man meist nur höhere Kosten. Notwendig erscheint mir unabhängige Beratung (unabhängig vom Netzbetreiber und unabhängig vom Routerlieferanten), denn wirkliche Hochverfügbarkeit – und nicht gefühlte – ist auch im Mobilfunk eine wirklich harte Nuß.
PS:
Wenn eine Lösung wirklich hochverfügbar sein muss, dann denken Sie auch über Kombinationen zwischen GPRS/EDGE/UMTS und drahtgebundenen Techniken wie ISDN oder DSL nach. Hier gibt es gerade für den industiellen Bereich zahlreiche Lösungen, z.B. auch von Insys.
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[...] M2M-Systems gibt es Lösungen, die auf Redundanz basieren (z.B. für die Übertragungsstrecke: Dual-SIM und die Verwendung mehrerer Netzbetreiber). In diesem Zusammenhang evtl. auch interessant: DynDNS [...]
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http://www.lucom.de/web/page586.html
UMTS/HSDPA Router, optional mit DUAL SIM