EDGE – Sinn oder Unsinn für M2M-Anwendungen?
EDGE ist mir zum ersten Mal 2001 auf einem Mobilfunk-Seminar in Berlin über den Weg gelaufen. Zwei fleißige (Marketing?)-Ingenieure von Infineon fragten jeden Referenten nach seinem Vortag was er denn in diesem Zusammenhang von EDGE hielte? Am zweiten Seminartag war EDGE jedenfalls jedem bekannt und gleichzeitig ein Running-Gag. Aber auch nicht mehr.
Nun ist EDGE tatsächlich in der Realität in Deutschland angekommen, fast flächendeckend im Netz von T-Mobile und mit dem iPhone als prominenteste EDGE-Hardware.
Auch immer mehr industrielle bzw. M2M Router- und Modems sind als EDGE Varianten verfügbar oder zumindest angekündigt. Ein guter Grund für einen näheren Blick auf EDGE.
- EDGE?
Enhanced Data Rates for GSM Evolution (EDGE) ist quasi der Turbolader für die Datenübertragung im GSM-Netz. Gegenüber GPRS wird durch Verwendung eines neuen Modulationsverfahrens die mögliche Datenrate deutlich erhöht. Angenehm für Netzbetreiber ist der relativ geringe Aufwand für die Netzaufrüstung, primär Softwareupdates und Baugruppentausch in den Basisstationen (d.h. kein neues Netz, keine neuen Basisstationen wie bei UMTS). Wikipedia zu EDGE.
- Wie schnell ist EDGE?
EDGE verfügt mit ca. 60 kbit/sec/slot im Vergleich mit GPRS mit 20 kbit/sec/slot über eine etwa 3 mal größere Datenrate. Gängige Endgeräte unterstützen bis zu 5 Timeslots und können so bei geeigneten Funkverhältnissen (Up- und Downlink zusammengerechnet) bis zu 300 kbit/sec übertragen. Also deutlich schneller als ISDN im Festnetz.
- EDGE Netzabdeckung in Deutschland?
In Deutschland ist T-Mobile der Klassenprimus, das Netz ist fast flächendeckend für EDGE ausgebaut (T-Mobile Funkversorgung), in ländlichen Gebieten für eine etwas flottere Funkversorgung ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Vodafone und O2 haben zwar jeweils einen EDGE-Netzausbau angekündigt, aber nur an ausgewählten Standorten (nicht flächendeckend und nicht bei UMTS-Versorgung), die online verfügbaren Karten zur Funkversorgung führen das Kriterium EDGE (Stand Frühjahr 2008) nicht auf.
Wann also kann EDGE für M2M-Anwendungen Sinn machen?
EDGE ist das Bindglied zwischen dem flächendeckend verfügbarem, aber verhältnismäßig gemächlichem GPRS und schnelleren Netzen wie UMTS/HSDPA, die zwar wiederum eine ganze Größenordnung mehr Durchsatz bieten, aber eben nur in dichter besiedelten Gebieten – eben nicht flächendeckend – verfügbar sind.
- EDGE ist ein Wohltat für jeden, den das – bisweilen mit bis zu 1000ms extrem lange – Round Trip Delay von GPRS-Verbindungen bei interakiven Anwendungen wie SSH für Fernwartung stört. Edge bleibt i.d.R. bei 400ms.
[Update] Hier gibt es Messwerte aus der Praxis. - EDGE kann mit typ. bis zu 110 kbit/sec Uplink das Thema Fernwartung auch mit grafischen Oberflächen (Remote-Desktop) erträglich – aber auch nicht wirklich angenehm – machen.
- Möglich wird die Übertragung größerer Datenmengen, z.B. Videodaten/Bilder nach einer Motion-Detection, wenn UMTS nicht verfügbar ist.
- …
Um sich das Potential von EDGE transparent zu machen, sollte man einmal ein iPhone in die Hand nehmen und einfach einmal ein Weilchen im Internet stöbern. Das klappt eigentlich genau so gut – wenn nicht besser – als mit einem UMTS Handy.
Wer also nicht wirklich die Bandbreite von UMTS/HSDPA benötigt, findet mit EDGE das bessere GPRS (daher wird EDGE auch E-GPRS genannt), allerdings derzeit nur im Netz von T-Mobile.
Wer aber monatlich nur über geringe Datenmengen nachdenkt und keine Interaktion (z.B. Fernwartung) plant, für den hat EDGE keinerlei Bedeutung.
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[...] EDGE ist der “Turbo” für das GSM/GPRS-Netz – gleiche Frequenzen und Basisstationen mit etwas höherer Geschwindigkeit und kürzeren Delays. Da sowohl die Netze als auch die Geräte jetzt auf dem Markt sind, können alle bisherigen GPRS-Anwendungen mit höheren Anforderungen nahtlos umgestellt werden. Bei den Netzen bleibt T-Mobile Vorreiter und rüstet sein gesamtes Netz auf EDGE hoch, auch parallel zu UMTS. [...]
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