Wie lange lebt GPRS (und UMTS) noch?
Neulich während einer Diskussion auf der Hannover Messe:
“Für Anwendungen mit einer längeren Laufzeit empfehlen wir statt GPRS- immer UMTS-Geräte.”
Nähere Erläuterungen gab der Vertriebsmann nicht. Wollte er also nur die teureren UMTS-Geräte verkaufen oder steckt mehr dahinter?
Ja, denn die Nachfrage ergibt:
Die Frequenzspektren für den öffentlichen Mobilfunk (also die heutigen GSM- und UMTS-Netze) werden von der Bundesnetzagentur zeitlich befristet vergeben (oder versteigert – erinnern Sie sich noch an die unglaublichen Preise der UMTS-Auktion?). Mit dem Ablauf der Lizenz kann der der jeweilige Netzbetreiber die Frequenzen nicht mehr nutzen und muss daher den jeweiligen Dienst einstellen. Nur eine Lizenzverlängerung oder Neuvergabe kann dann für weitere Laufzeit sorgen.
Wie lange laufen die Lizenzen?
Nach dem aktuellen Stand enden die GSM-Lizenzen zum 31.12.2016 und die UMTS-Lizenzen zum 31.12.2020 – also noch einige Jahre. Aber für viele M2M-Anwendungen – z.B. werden Solaranlagen über 20 Jahre gefördert – nicht näherungsweise ausreichend.
Ist dann 2016 für GPRS/EDGE endgültig Schluss?
Ohne eine bewährte Glaskugel kaum zu beantworten – aber man kann sich wahrscheinlichen Antworten von unterschiedlichen Seiten nähern, indem man verschiedene Szenarien betrachtet:
- Die Lizenzen werden verlängert (und die Netzbetreiber langen zu)
Dies ist die – nicht unwahrscheinliche – Default-Route. Denn zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verlängerung werden noch einige Millionen Handsets ohne UMTS im Umlauf sein, die bei einer Nicht-Verlängerung nur noch Schrott wären. - Die Lizenzen werden TECHNOLOGIENEUTRAL neu vergeben
Das ist aus meiner Sicht der eigentlich spannende Fall. Hier wären dann die Mobilnetzbetreiber auf die Probe gestellt und müssten eine schwere Entscheidung treffen: Betreiben sie das – flächendeckende – GPRS/EDGE Netz weiter oder nutzen sie die Frequenzen für neuere Technologien, denkbar wären z.B. UMTS900 (das ist z.B. Finnlands oder Australiens zukünftiger Weg) oder auch LTE um ohne kostspielige Erschließung neuer Standorte die Flächendeckung zu halten und gleichzeitig die Betriebskosten zu senken. - Die Lizenzen werden nicht – oder für andere Zwecke – neu vergeben
Möglich, aber bei der Bedeutung des öffentlichen Mobilfunks für nur schwer vorstellbar. Insbesondere wenn man sich die heutige Flächendeckung der UMTS-Netze anschaut (und in den nächsten Jahren würde ich dort keine gravierenden Verbesserungen erwarten), erkennt man, dass dann weite Teile Deutschlands “im Dunkeln” stehen würden.
Vermutlich werden wir spätestens zwei Jahre vor dem Ablauf der Lizenzen – also 2014 - näheres wissen.
Und nun?
Wie schrieb schon Douglas Adams? “Keine Panik!”
- Aus meiner Sicht ist zumindest eine Verlängerung für GPRS/EDGE wahrscheinlich.
- Viele M2M-Anwendungen sind häufig sehr profitabel und erreichen den ROI schon im ersten Betriebsjahr . Ein zwangsweiser Ersatz nach einigen Jahren ist dann zwar ärgerlich, aber nicht tragisch, denn die Investition hat sich ja schon längst amortisiert.
- Vorsichtige Entscheider können auf auf UMTS-Endgeräte setzen und ggf. einige Jahre gewinnen.
- Ganz vorsichtige Entscheider setzen auf Endgeräte, die auch UMTS900 unterstützen (erste Module, die neben GPRS/EDGE/UMTS auch UMTS900 beherrschen sollen im Sommer 2009 erscheinen; die entsprechenden Chips sind bereits heute verfügbar).
Und das Fazit?
Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen – Den Vorhang zu und alle Fragen offen.
[Berthold Brecht]
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