Leben GSM-Netze (GPRS/EDGE) wegen M2M länger?
Vor einiger Zeit habe ich mich bereits mit dem Them «Wie lange lebt GPRS (und UMTS) noch?» beschäftigt, nun ist das Thema auch über den Atlantik geschwappt. Hier die freie Übersetzung eines Artikel aus der M2M-Zone:
Leben GSM-Netze (GPRS/EDGE) wegen M2M länger?
Da Mobilfunknetzte zunehmend wichtigere Bestandteile des M2M-Marktes werden, sind wichtige Weichenstellungen bezüglich der Lebensdauer der GSM-Netze (und somit GPRS/EDGE) zu treffen.
Nach diesem Bericht der «Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung» (OECD), einer internationalen Organisation zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung, ist es geplant die derzeitigen GSM-Netze innerhalb der nächsten 5 bis 15 Jahre außer Betrieb zu nehmen und durch UMTS oder LTE-Technik zu ersetzen. Das mag gut sein für Smartphones und Tablets, die höhere Geschwindigkeiten erfordern, für M2M ist dies allerdings ziemlich überflüssig.
Laut Alex Brisbourne, langjährigem Präsident und COO von KORE Telematics (Alpharetta, Georgia, USA), benötigen 95% der M2M-Anwendungen nur GSM mit GPRS oder EDGE. GSM-Netze sind ausgereift und bieten breite Abdeckung zu günstigen Preisen.
Die projektierte Lebensdauer ist für M2M-Anwendungen auf Basis von GPRS/EDGE entscheidend. Dem OECD-Bericht zufolge sollen «Smart Meter» für bis zu 30 Jahre arbeiten, einige Geräte der Unterhaltungselektronik sind auf eine Lebensdauer von mindestens 10 Jahren ausgelegt. M2M-Endgeräte auf Basis von GPRS/EDGE sind durchaus für derartige Lebensdauern ausgelegt, möglicherweise aber nicht auf UMTS/LTE-Netze und erfordern daher ggf. teure Ersatzszenarios und liefern so einen Grund um die GSM-Netze weiter am Leben zu halten.
“In einer Branche, die in vielen Ländern nicht viel älter als 15 Jahre ist, ist ein derartiger Planungshorizont für Informations- und Kommunikationstechnologien ungewöhnlich”, so der OECD-Bericht. “Dies gilt für sowohl die Industrie als auch für die Regulierungsbehörden und Mobilnetzbetreiber, die keine langfristigen Commitments außerhalb der gegenwärtigen Lizenz geben können – und es gilt für Regierungen die möglicherweise nicht wissen wie ihre (Frequenz-) Politik in 5 bis 25 Jahre aussehen wird.”
Nach Brisbourne ist es nicht das mangelnde Commitment der Mobilnetzbetreiber das die Zukunft der GSM/GPRS/EDGE-Netze im Ungewissen lässt, sondern der Mangel an klaren Aussagen. “Klare Aussagen der Mobilnetzbetreiber sind notwendig, damit wir planen können,” sagt Brisbourne. “Es gibt zwar einen offenen Dialog, aber es ist ziemlich schwer, auf Worte auch Taten folgen zu lassen”.
Mobilnetzbetreiber haben nicht wirklich ihre Pläne bezüglich der GSM/GPRS/EDGE-Netze offengelegt, sagt Brisbourne. Dem OECD-Bericht zufolge sind die Dinge weitaus komplizierter, weil es unklar ist, ob die Wahl eines kombinierten GPRS/EDGE und UMTS-Moduls wirklich die beste Strategie ist.
Laut dem OECD-Bericht, glaubt «Analysys Mason», dass einige Mobilnetze UMTS einfach überspringen und in den frei werdenden GSM-Frequenzen direkt LTE anstreben. Falls die Betreiber dies tun, werden zukünftig kombinierte GPRS/EDGE/UMTS-Module nur in Bereichen, in denen UMTS-Abdeckung vorhanden ist, funktionieren. Verglichen mit der derzeitigen Abdeckung von GPRS/EDGE sind dies nur äußerst begrenze Bereiche. Es ist zudem meist unbekannt, ob die verwendeten UMTS-fähigen Module überhaupt in der Lage sind, die bisherigen GSM-Frequenzen für UMTS zu nutzen [UMTS 900], so der OECD-Bericht.
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“Dies führte einige Analysten zu dem Schluss, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass GSM/GPRS/EDGE komplett heruntergefahren wird. Und mit jedem neuen M2M-Gerät das nur für GPRS/EDGE ausgelegt ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass dies in naher Zukunft passiert.”
M2M-Anwendungen auf Basis von GPRS/EDGE werden dem Bericht zufolge auch die Frequenzpolitik beeinflussen. “Die flexible Vergabe von Frequenzen sei in den letzten Jahren üblicher geworden. Eine sogenannte technologieneutrale Vergabe stellt nur minimale Anforderungen an die einzusetzende Technologie für die das Spektrum für verwendet wird”, so der Bericht.
Der OECD-Bericht sagt voraus, dass die große Anforderung an die Lebensdauer von M2M-Anwendungen auch die (Neu)Vergabe von Frequenzen verlangsamen kann. Brisbourne glaubt, dass es in regulierten Märkten, in denen die Regierungen auf eine breite Einführung von M2M drängen, es erforderlich sein kann, dass Mobilnetzbetreiber einen Teil der Frequenzen weiterhin für GPRS/EDGE nutzen.
In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass die politischen Entscheidungsträger berücksichtigen, dass auch staatlich beauftragte M2M-Projekte immer noch GPRS und EDGE nutzen.
“Wenn die Mobilnetzbetreiber planen die GSM-Netze (inkl. GPRS/EDGE) herunterzufahren und gleichzeitig noch staatlich geforderte M2M-Anwedungen noch diese Netze nutzen [in Deutschland z.B. das Maut-System], dann könnten die öffentlichen Haushalte mit einem sehr teuren Ersatz konfrontiert werden”, so der OECD-Bericht.
Da es noch keine wirkliche Entscheidung zu diesem Thema gibt, wird es interessant sein, die weitere Debatte zur Nutzung der GSM-Frequenzen zu beobachten, so Brisbourne.
Auch wenn sich dieser Artikel vorwiegend auf die Situation in den USA bezieht, so wird doch auch für Deutschland ähnliches gelten.
Vielen Dank an Beth Pricipi und die M2MZone für die freundliche Überlassung des Artikels.
In diesem Zusammenhang:
Der Originalartikel aus der M2M-Zone
OECD INSIGHTS zum «Thema Internet of Things»
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